Mein Schlauchmagen, das unbekannte Wesen!

Ich habe mich vor meiner Adipositas Operation so gewissenhaft und so umfassend wie möglich informiert. Und doch musste ich lernen, dass es Dinge gibt, auf die man sich einfach nicht vorbereiten kann.

Sie sind so individuell, dass jeder Patient in diesem Punkt seine eigenen Erfahrungen mit seinem „neuen“ Magen machen muss und darauf vorbereitet sein sollte.

Obwohl ich es nach wie vor und für mich persönlich, ein wenig befremdlich finde, wenn Patienten ihrem Schlauchmagen oder Pouch einen Namen geben, so komme auch ich nicht umhin zuzugeben, dass dieser „neue“ Magen, den ich seit nunmehr 5 Jahren mein eigen nenne, ein Eigenleben hat. Und auch wenn mir das Tun fremd ist, würde mein Schlauchmagen einen Namen haben, so würde sie „Billy“ heißen.

Denn sie, Billy, ist eine Zicke, eigenwillig und stur. Und sie will immer oft etwas anderes als ich. Seitdem sie das Kommando über meine Ernährung übernommen hat, hat sie einige neue Regeln eingeführt.

Sie mag kein Fleisch, findet Twix geschmackslos und Brokkoli unglaublich lecker. Billy bevorzugt es, wenn ich selber koche (was mir natürlich schmeichelt, aber es mir schwer macht, mich sozial einzubringen, dh. auswärts zu essen) und ist bei convenience food (bequemes Essen, Fertigprodukte) und Fastfood dermaßen kritisch, dass sie es nur in Ausnahmefällen und bei besonders guter Laune in ihre Nähe lässt.

Sie mag Kaffee am Morgen, nachmittags jedoch nicht und wenn dann bitte nur mit Milch oder Butter (Stichwort: Bullet proof-Kaffee). Eis ist ihr zu kalt und von Cola (oder anderen kohlesäurehaltigen Getränken) muss sie permanent aufstoßen. Nach dem Essen von fester Nahrung verträgt sie bis zu 1 Stunde danach keine Getränke und wage ich es nach einer Mahlzeit ein Nickerchen zu machen, treibt sie mich mit einem satten Reflux sofort wieder in die Waagerechte.

Und sie hat die unerfreuliche Eigenschaft Dinge zu hamstern und riesige Depos anzulegen; die sie dann zu essen verweigert, wie, die bereits erwähnten Twix oder Proteinriegel und Wheypulver, in exotischen Geschmacksrichtungen, wie „Birthday Cake“ und Zero-Kalorien-Produkte, wie Soßen oder Getränkepulver.

Billy hat ihren eigenen Kopf darüber wann und was es zu essen gibt. Und mein eh schon Ess-Sucht vernebeltes Gehirn freut sich bei der Party mitzumachen. Mit meinen rationalen Gründen, zur Auswahl von gesunden Nahrungsmitteln und Mahlzeiten zur rechten Zeit, stehe ich praktisch alleine da. Ein Kampf, den ich jeden Tag aufs Neue auszufechten habe.

Billy hat mit ihren Befindlichkeiten mein Leben und meine Ernährung grundlegend verändert. Zum Besseren? Teilweise ja. Aber einfacher ist es deswegen nicht geworden. Die Herausforderung bleibt.

Mein Schlauchmagen, das unbekannte Wesen!