Wie kannst du so viel essen, dass du zunimmst, wo du doch operiert bist?

Eine Frage, der ich immer wieder begegne. Und ehrlicher Weise muss ich sagen, dass ich mich das, vor meiner adipositaschirurgischen Operation, auch einst gefragt habe.

Wie kann jemand, der nur noch einen Magen in Bananengröße hat (Sleeve) oder einen Schnapsglas großen Pouch (Bypass), so sehr über seinen Kalorienbedarf essen? Zumal ich ja eine Schlauchmagen-Operation bekommen habe, damit ich eben nur noch sehr wenige, sehr kleine Portionen essen kann – und das am liebsten dauerhaft. Ist da vielleicht doch was dran, am „gedehnten“ Schlauch/Pouch?

Meine persönliche Erfahrung und aus Gesprächen mit anderen Betroffenen sagt eindeutig: wieder ausgedehnt, nein. Nach der Operation, ausgeheilt und deswegen (scheinbar) wieder mit größerem Volumen ausgestattet, ja.

Sicher ist, der Magen (im Fall eines Schlauchmagens) ein Muskel, der sich ausdehnen kann. Doch was weggeschnitten oder umgangen wird, ist und bleibt weg. Eine Größe vor OP kann nicht mehr erreicht werden. Und das gilt auch für einen Pouch.

Und, bedenkt man das Problem einmal weiter, so wird deutlich, wohin es führen würde, würden Schlauchmagen oder Pouch auf Dauer nur wenige Löffel, von 3 täglichen Mahlzeiten aufnehmen können, wie im nicht ausgeheilten Zustand nach OP. Der Patient würde auf lange Sicht gesehen, schlicht verhungern.

In der Phase nach der OP kann er in der Regel erst mal ganz gut eine Weile von seinen Fettreserven leben. Langfristig muss eine adipositaschirurgische Operation jedoch darauf ausgelegt sein, dass ein Patient „normale, gesunde“ Portionen Essen kann.

Und dann hat hier, zum einen, ja auch noch der Kopf einiges zu sagen (Essen aus Gewohnheit, emotionales Essen) und zum anderen ist ein Körper, der auf Überleben programmiert ist, nun mal nicht ganz so einfach zu überlisten.

Bis zu diesem Zeitpunkt sind, so habe ich es für mich erfahren, ca. 12 – 15 Monate nach der OP vergangen. Und dann, nun – dann schleichen sich vielleicht alte Gewohnheiten wieder ein, z.B. Süßigkeiten, die ich 12 Monate lang nicht gegessen habe oder es haben sich längst neue Unsitten eingebürgert, z.B. zu viele „kleine“ Mahlzeiten, wie bei mir.

Und sicherlich, auch ich habe mein Möglichstes getan, um mir neue Gewohnheiten anzueignen und viele davon haben sich auch etabliert, Bewegung und Sport zum Beispiel. Aber schließlich – und hier kann ich mich nur dem immer wieder zitierten „es war mein Magen, der operiert wurde und nicht mein Kopf“, anschließen.

Und deswegen, ja, 5 Jahre nach OP, hat sich mein Körper und mein Kopf an meinen Schlauchmagen gewöhnt und ich kann und soll, so viele Kalorien zu mir nehmen, dass ich damit ein gesundes Gewicht halten kann. Doch so gesund, vollwertig und proteinreich ich mich auch ernähre und so gerne ich mich heute bewege, ich habe nicht verlernt, dass sich ein Kalorienüberschuss auch sehr einfach in süßen oder deftigen Kleinigkeiten anlegen lässt.

Zunehmen nach einer adipositaschirurgischen Operation